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Steuern & Währungen

Wie Steuerklassen, Steuersätze und die Basiswährung zusammenspielen – von der ersten deutschen Mehrwertsteuerregel bis zum automatischen Wechselkurs-Import.

KAPITEL 4 Unterkapitel

Steuerklassen und Steuerregeln

<div class="prose prose-hyva max-w-none"><p>Wie Produkt-, Kunden- und Versandsteuerklassen zu einer Steuerregel kombiniert werden und wie Sie Standardklassen sinnvoll voreinstellen.</p><p>Magentos Steuerberechnung basiert auf drei Bausteinen, die erst im Zusammenspiel einen tatsächlichen Steuersatz ergeben: einer <strong>Steuerklasse</strong> für das Produkt, einer <strong>Steuerklasse</strong> für den Kunden und einem <strong>Steuersatz</strong> für eine geografische Zone. Eine <strong>Steuerregel</strong> (Tax Rule) unter <em>Stores &gt; Taxes &gt; Tax Rules</em> verknüpft alle drei zu einer wirksamen Berechnungsvorschrift.</p> <h3>Produkt-Steuerklassen</h3> <p>Jedes Produkt trägt das Attribut <strong>Tax Class</strong> im Preis-Bereich der Produktbearbeitung. Standardmäßig liefert Magento die Klassen "Taxable Goods" und "None" mit. Eigene Klassen (z. B. "Reduzierter Steuersatz" für Bücher/Lebensmittel in Deutschland) legen Sie unter <em>Stores &gt; Settings &gt; Tax Rules</em> oder direkt im Produktformular über den kleinen "+"-Link neben dem Dropdown an – hilfreich, wenn Ihr Sortiment sowohl 19 %- als auch 7 %-Artikel enthält.</p> <h3>Kunden-Steuerklassen</h3> <p>Analog trägt jede Kundengruppe (siehe Kapitel "Kundengruppen") eine <strong>Customer Tax Class</strong>, meist "Retail Customer". Für B2B-Shops ist das der Hebel, um Geschäftskunden nach erfolgreicher USt-ID-Prüfung automatisch einer steuerbefreiten Klasse zuzuordnen (siehe nächstes Unterkapitel).</p> <h3>Steuerregeln zusammenbauen</h3> <p>Eine Steuerregel kombiniert eine oder mehrere Produkt-Steuerklassen, eine oder mehrere Kunden-Steuerklassen und einen oder mehrere zuvor angelegte Steuersätze (siehe nächstes Unterkapitel) zu einer benannten Regel mit Priorität und Berechnungsreihenfolge. Die <strong>Priorität</strong> steuert, ob mehrere gleichzeitig greifende Regeln addiert oder verschachtelt berechnet werden (relevant z. B. bei kombinierten Landes- und Gemeindesteuern in den USA – für den deutschen Standardfall reicht eine einzelne Regel mit Priorität 0).</p> <h3>Standardklassen als Zeitersparnis</h3> <p>Unter <em>Stores &gt; Configuration &gt; Sales &gt; Tax</em>, Gruppe <strong>Tax Classes</strong>, legen Sie fest, welche Klasse neu angelegten Produkten/Versandpositionen automatisch zugewiesen wird. Das erspart Ihnen, bei jedem neuen Produkt die Steuerklasse manuell zu setzen – gerade bei Katalogen mit hundert plus Artikeln ein spürbarer Unterschied.</p> <img loading="lazy" src="{{media url=wysiwyg/handbuch/1kapitel/taxclasses4kategorie.png}}" alt=" TaxClasses" /> <p><strong>Praxis-Tipp:</strong> Legen Sie Steuerklassen sparsam an. Jede zusätzliche Kombination aus Produkt- und Kundenklasse vervielfacht die Anzahl der Regeln, die Sie pflegen müssen – für die meisten deutschen Shops reichen zwei Produktklassen (Regelsatz 19 %, ermäßigt 7 %) und eine bis zwei Kundenklassen (Endkunde, steuerbefreiter B2B-Kunde).</p></div>
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Steuerzonen und -sätze

<div class="prose prose-hyva max-w-none"><p>Wie Sie einzelne Steuersätze anlegen, pflegen und über CSV importieren – von der deutschen 19-%-Pauschale bis zu länderspezifischen PLZ-Bereichen.</p><p>Unter <em>Stores &gt; Taxes &gt; Tax Zones and Rates</em> pflegen Sie die eigentlichen Prozentsätze, die eine Steuerregel später anwendet – unabhängig von Produkt- und Kundenklassen.</p> <h3>Einen neuen Steuersatz anlegen</h3> <p>Über den Button <strong>Add New Tax Rate</strong> öffnen Sie ein Formular mit den Feldern <strong>Tax Identifier</strong> (interner Name, z. B. "DE-19"), <strong>Country</strong>, optional <strong>State</strong> (bei Ländern mit Bundesstaaten wie den USA), <strong>Zip/Post Code</strong> (Sternchen <code>*</code> als Platzhalter für "alle") und <strong>Rate Percent</strong>. Für Deutschland reicht in der Regel ein Satz mit Land "Germany", PLZ <code>*</code> und Rate <code>19.0000</code> – ein zweiter analog für den ermäßigten Satz <code>7.0000</code>.</p> <img Steuerzonen src="{{media url=wysiwyg/handbuch/1kapitel/Steuerzonen4kategorie.png}}" alt="Steuerzonen" /> <h3>PLZ-Bereiche für regionale Besonderheiten</h3> <p>Für Länder mit regional unterschiedlichen Steuersätzen (z. B. US-Bundesstaaten, teils auch Kanada) unterstützt das Zip/Post-Code-Feld Bereiche (<code>Range From</code>/<code>Range To</code>) statt eines einzelnen Werts – aktivierbar über die Checkbox <strong>Zip/Post is Range</strong> direkt im Formular.</p> <h3>Bestehenden Satz bearbeiten</h3> <p>Ein Klick auf eine Zeile in der Tax-Rate-Tabelle öffnet dasselbe Formular im Bearbeitungsmodus. Wichtig: Änderungen an einem bereits in Bestellungen verwendeten Steuersatz wirken sich nur auf künftige Berechnungen aus – abgeschlossene Bestellungen behalten den zum Bestellzeitpunkt gültigen Betrag, Magento rechnet nichts rückwirkend um.</p> <h3>Import/Export per CSV</h3> <p>Über die Buttons <strong>Import Tax Rates</strong>/<strong>Export Tax Rates</strong> oben auf derselben Seite lassen sich viele Steuersätze auf einmal pflegen – nützlich, wenn Sie in mehrere US-Bundesstaaten liefern und nicht jeden Satz einzeln von Hand anlegen möchten. Die CSV-Spalten entsprechen exakt den Formularfeldern; ein Export als Vorlage vor dem ersten Import erspart Formatierungsfehler.</p></div>
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Preisanzeige und USt-ID-Validierung

<div class="prose prose-hyva max-w-none"><p>Ob Preise brutto oder netto angezeigt werden, und wie Magento über VIES automatisch prüft, ob ein B2B-Kunde steuerbefreit werden darf.</p><p>Zwei praxisrelevante Einstellungen, die viele Shop-Betreiber erst nach dem Go-Live vermissen: die Preisanzeige und die automatische USt-ID-Prüfung für EU-Geschäftskunden.</p> <h3>Preisanzeige-Einstellungen</h3> <p>Unter <em>Stores &gt; Configuration &gt; Sales &gt; Tax</em>, Gruppe <strong>Price Display Settings</strong>, legen Sie getrennt für Katalog, Warenkorb und Rechnung fest, ob Preise <strong>Including Tax</strong>, <strong>Excluding Tax</strong> oder <strong>Including and Excluding Tax</strong> (beides gleichzeitig, z. B. "19,99 € inkl. MwSt., 16,80 € netto") angezeigt werden. Für B2C-Shops in Deutschland ist "Including Tax" auf allen drei Ebenen Pflicht (Preisangabenverordnung); B2B-Shops zeigen häufig Nettopreise mit einem Hinweis "zzgl. MwSt.".</p> <img loading="lazy"src="{{media url=wysiwyg/handbuch/1kapitel/PriceDisplay4kategorie.png}}" alt="Price Display" /> <h3>Warnhinweise bei widersprüchlichen Einstellungen</h3> <p>Magento blendet im Konfigurationsbereich automatisch einen gelben Warnhinweis ein, wenn die gewählte Kombination aus Preisanzeige und Rundungseinstellung zu sichtbar unterschiedlichen Summen zwischen Produktseite und Warenkorb führen kann (z. B. wenn Steuer erst auf Zeilen- statt auf Positionsebene gerundet wird). Ignorieren Sie diese Warnung nicht – sie deutet auf reale, für Kunden verwirrende Rundungsdifferenzen von 1-2 Cent hin.</p> <h3>USt-ID-Validierung aktivieren</h3> <p>Unter <em>Stores &gt; Configuration &gt; Customers &gt; Customer Configuration</em>, Gruppe <strong>Create New Account Options</strong>, aktivieren Sie <strong>Enable Automatic Assignment to Customer Group</strong> zusammen mit <strong>Validate VAT Number</strong>. Magento prüft die eingegebene USt-ID dann live gegen den EU-Dienst <strong>VIES</strong> (VAT Information Exchange System) und ordnet den Kunden automatisch einer der drei konfigurierbaren Gruppen zu: gültige USt-ID im selben Land, gültige USt-ID in einem anderen EU-Land (typischerweise die steuerbefreite Reverse-Charge-Gruppe), oder ungültig/kein EU-Land.</p> <img src="{{media url=wysiwyg/handbuch/1kapitel/CreateNew4kategorie.png}}" alt="USt-ID-Validierung" /> <h3>Grenzen der automatischen Prüfung</h3> <p>VIES prüft nur das <strong>Format und die Registrierung</strong> einer USt-ID, nicht die tatsächliche Berechtigung zur Rechnungsstellung ohne Steuer im Einzelfall – bei Rückfragen des Finanzamts bleibt die Nachweispflicht beim Händler. Der VIES-Dienst ist zudem gelegentlich zeitweise nicht erreichbar (EU-seitige Wartungsfenster); Magento fällt in diesem Fall auf die manuell hinterlegte Standard-Kundengruppe zurück, prüft die USt-ID aber bei der nächsten Kontoänderung erneut.</p></div>
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Währungskonfiguration und Wechselkurse

<div class="prose prose-hyva max-w-none"><p>Basiswährung, Anzeigewährung und automatischer Wechselkurs-Import – und warum Sie die Basiswährung vor dem Go-Live final festlegen sollten.</p><p>Magento unterscheidet strikt zwischen der <strong>Basiswährung</strong> (in der alle Preise intern gespeichert und Kennzahlen berechnet werden) und einer oder mehreren <strong>Anzeigewährungen</strong> pro Store View.</p> <h3>Grundkonfiguration</h3> <p>Unter <em>Stores &gt; Configuration &gt; General &gt; Currency Setup</em> legen Sie drei Werte fest: <strong>Base Currency</strong> (die interne Rechnungswährung, siehe Warnhinweis unten), <strong>Default Display Currency</strong> (die Standard-Anzeigewährung für diesen Store View) und <strong>Allowed Currencies</strong> (eine Mehrfachauswahl aller Währungen, zwischen denen Kunden im Frontend per Dropdown wechseln dürfen).</p> <img loading="lazy" src="{{media url=wysiwyg/handbuch/1kapitel/currency4kategorie.png}}" alt="Currency" /> <h3>Warum die Basiswährung eine Einbahnstraße ist</h3> <p>Sobald erste Bestellungen vorliegen, ist ein Wechsel der Basiswährung praktisch ausgeschlossen: sämtliche gespeicherten Preise, Rabatte, Steuerbeträge und historischen Bestellsummen liegen in dieser Währung vor, ein nachträglicher Wechsel würde alle Kennzahlen verfälschen. Legen Sie die Basiswährung deshalb final vor dem Go-Live fest (siehe auch Kapitel "Ersteinrichtung nach der Installation").</p> <h3>Wechselkurse aktualisieren</h3> <p>Unter <em>Stores &gt; Currency &gt; Currency Rates</em> pflegen Sie die Umrechnungskurse zwischen Basis- und jeder erlaubten Anzeigewährung. Zwei Wege stehen zur Verfügung: manuelle Eingabe direkt in der Tabelle, oder automatischer Import über einen konfigurierbaren Kursdienst (Dropdown <strong>Import Service</strong> oben auf der Seite, z. B. Webservicex). Der Button <strong>Import</strong> ruft die aktuellen Kurse ab und befüllt die Tabelle; per Cronjob (<em>System &gt; Cron Schedule</em>, siehe Kapitel "Import und Export") lässt sich dieser Import auch automatisiert in regelmäßigen Abständen ausführen, statt ihn manuell anzustoßen.</p> <img loading="lazy" src="{{media url=wysiwyg/handbuch/1kapitel/currentrates4kategorie.png}}" alt="Wechselkurseaktualisieren" /> <h3>Währungssymbole anpassen</h3> <p>Unter <em>Stores &gt; Currency &gt; Currency Symbols</em> überschreiben Sie bei Bedarf das Standardsymbol einer aktivierten Währung (z. B. "CHF" statt des Standard-Symbols) – getrennt pro Store View, falls Sie z. B. im deutschen Store "€" und im Schweizer Store "CHF" verwenden.</p> <img loading="lazy" src="{{media url=wysiwyg/handbuch/1kapitel/CurrencySymbols4kategorie.png}}" alt="Währungssymbole" /> <p><strong>Praxis-Tipp:</strong> Auch bei nur einer aktiven Währung lohnt ein Blick in <em>Currency Rates</em> nach der Installation – Magento legt für die Basiswährung selbst einen Kurs von 1.0000 an, ein versehentlich abweichender Wert würde sämtliche Preise falsch umrechnen, obwohl im Frontend nur eine Währung sichtbar ist.</p></div>
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