Produkte anlegen und verwalten
Produkttypen im Überblick
Der Unterschied zwischen einfachem Produkt, konfigurierbarem Produkt, Bundle, Gruppen- und virtuellem Produkt.
Magento kennt mehrere Produkttypen – welchen Sie wählen, hängt davon ab, wie das Produkt im Shop funktionieren soll. Der Typ wird beim Anlegen einmalig festgelegt und lässt sich später nur eingeschränkt ändern, daher lohnt sich die Wahl vorab.
Simple Product
Der Standardfall: ein Artikel, eine SKU, ein Preis, ein Bestand. Für die überwiegende Mehrheit aller Produkte die richtige Wahl – auch als Baustein für die komplexeren Typen unten.
Configurable Product
Ein "Elternprodukt" mit Varianten (z. B. Größe, Farbe), die jeweils eigene, im Hintergrund liegende Simple Products sind. Kunden wählen auf der Produktseite die gewünschte Variante über Dropdowns oder Farb-/Muster-Swatches; erst danach wird die konkrete SKU der Bestellung zugeordnet. Wichtig: Die Varianten-Attribute müssen zuvor als eigene, im Katalog konfigurierbare Attribute angelegt sein (siehe Kapitel "Attribute und Attributsets").
Grouped Product
Mehrere eigenständige Simple Products, die gemeinsam auf EINER Seite mit jeweils eigenem Mengenfeld angezeigt werden – z. B. ein Set aus Einzelteilen, die auch separat kaufbar bleiben. Anders als beim Bundle hat ein Grouped Product selbst keinen eigenen Preis, sondern summiert die gewählten Einzelpreise.
Bundle Product
Ein Produkt, das der Kunde sich aus mehreren Optionsgruppen selbst zusammenstellt (z. B. ein Computer mit wählbarem Prozessor, RAM, Festplatte). Jede Option kann eigene Aufpreise haben, optional oder Pflicht sein, und als Dropdown, Radiobutton, Checkbox oder Mehrfachauswahl dargestellt werden.
Virtual Product
Ein Produkt ganz ohne Versand – z. B. eine Dienstleistung, eine Garantieverlängerung oder ein Beratungstermin. Im Checkout entfallen automatisch alle Versandschritte für diese Position.
Downloadable Product
Ein digitales Produkt mit Datei-Download nach Kauf (z. B. E-Book, Software, Musterdatei). Die Dateien werden im Produktformular unter dem Tab Downloadable Information hochgeladen oder verlinkt, inkl. Download-Limit (wie oft ein Kunde die Datei herunterladen darf).
Praxis-Tipp: Den Produkttyp wählen Sie direkt beim Anlegen unter Add Product über das Dropdown oben rechts, bevor Sie mit dem Ausfüllen beginnen – ein nachträglicher Wechsel des Typs ist nur sehr eingeschränkt möglich und in der Praxis meist nicht empfehlenswert; im Zweifel lieber ein neues Produkt mit dem richtigen Typ anlegen.
Configurable Product: Varianten per Assistent erzeugen
Statt jede Variante einzeln anzulegen, nutzen Sie im Tab Configurations den Button Create Configurations. Der Assistent führt in Schritten durch: zunächst die Auswahl der konfigurierenden Attribute (diese müssen den Scope Global haben und im Attribut selbst als Use to Create Configurable Product auf "Yes" gesetzt sein), dann die Auswahl der gewünschten Werte je Attribut (z. B. welche Farben, welche Größen), und abschließend die Zuweisung von Bildern, Preis und Bestand je erzeugter Variante. Erst nach Abschluss des Assistenten werden im Hintergrund die einzelnen Simple Products angelegt und verknüpft.
Bundle-Produkt: Preislogik und Versand
Beim Bundle bestimmt das Feld Price Type, ob der Endpreis dynamisch aus den gewählten Optionen berechnet wird ("Dynamic") oder unabhängig von der Auswahl ein fester Gesamtpreis gilt ("Fixed"). Das Feld Shipment Type legt fest, ob die enthaltenen Positionen im Checkout und in der Bestellung als eine gemeinsame Zeile ("Together") oder als separate Versandpositionen ("Separately") behandelt werden. Im Tab Bundle Items legen Sie pro Optionsgruppe fest, ob sie Required ist, und pro zugeordnetem Produkt eine Default Quantity sowie optional User Defined Quantity, falls der Kunde die Menge selbst anpassen darf.
Downloadable Product: Samples und Freigabe
Im Tab Downloadable Information gibt es zwei getrennte Bereiche: Samples für kostenlose Hörproben/Leseproben, die jeder Besucher ohne Kauf abrufen kann, und Links für die eigentlichen, kostenpflichtigen Dateien. Bei jedem Link legen Sie Number of Downloads fest (0 = unbegrenzt) sowie Is Shareable, das steuert, ob derselbe Download-Link auch nach einem erneuten Login oder auf einem anderen Gerät desselben Kunden noch funktioniert.
Kategorien verwalten
Attribute und Attributsets
Produktbilder und Medien
Bilder hochladen, Rollen zuweisen (Basis-, Klein-, Vorschaubild) und die Bild-Reihenfolge festlegen.
Im Produktformular finden Sie den Tab Images and Videos. Dort laden Sie per Drag & Drop ein oder mehrere Bilder hoch, oder klicken auf den Upload-Button, um Dateien über den klassischen Dateidialog auszuwählen. Unterstützt werden die gängigen Formate JPEG, PNG und WEBP.
Bildrollen
- Base Image: das Hauptbild auf der Produktdetailseite.
- Small Image: wird in Produktlisten und Suchergebnissen verwendet.
- Thumbnail: kleine Vorschau, z. B. im Warenkorb oder in Empfehlungs-Widgets.
- Swatch Image: nur bei konfigurierbaren Produkten mit visuellen Attributen (z. B. Farbmuster) relevant, wird als kleines Auswahl-Icon neben dem Attributnamen angezeigt.
Eine Bilddatei kann gleichzeitig mehrere dieser Rollen übernehmen (üblich: dasselbe Bild als Base, Small UND Thumbnail).
Alt-Text und Reihenfolge
Klicken Sie auf ein hochgeladenes Bild, um ihm die gewünschten Rollen zuzuweisen sowie einen Alt-Text zu hinterlegen – Pflicht für Barrierefreiheit (Screenreader) und ein relevanter Faktor für die Bilder-Suche bei Google. Über Drag & Drop in der Bildübersicht bestimmen Sie zusätzlich die Reihenfolge, in der die Bilder auf der Produktseite erscheinen; das erste Bild in der Liste wird automatisch zum Standard-Vorschaubild.
Videos einbinden
Über Add Video im selben Tab lässt sich ein YouTube- oder Vimeo-Video als zusätzliches Medienelement einbinden, das dann zwischen den Produktbildern in der Galerie erscheint.
Bildgrößen und Performance
Laden Sie Bilder nach Möglichkeit bereits in einer sinnvollen Auflösung hoch (üblich: 1500–2000px an der langen Kante für das Hauptbild) – Magento generiert daraus automatisch die verschiedenen benötigten Zwischengrößen, aber ein unnötig übergroßes Ausgangsbild verlangsamt sowohl den Upload als auch spätere Static-Content-Deployments.
Praxis-Tipp: Für mehrere Produkte mit identischen Bildern (z. B. Varianten) lassen sich Bilder über den Product Import (siehe Kapitel "Produktimport und -export") mit fixen Dateinamen effizient in Serie hochladen, statt jedes Bild einzeln im Backend zuzuordnen.
Platzhalter-Bilder konfigurieren
Fehlt bei einem Produkt ein Bild, zeigt Magento standardmäßig ein generisches Platzhalterbild. Unter Stores > Configuration > Catalog > Catalog > Product Image Placeholders hinterlegen Sie stattdessen ein eigenes, zum Theme passendes Platzhalterbild – separat je Bildtyp (Base, Small, Thumbnail, Swatch usw.), sodass auch unvollständig gepflegte Produkte einheitlich aussehen.
Einzelne Bilder ausblenden
Beim Überfahren eines hochgeladenen Bilds mit der Maus erscheint neben den Rollen-Checkboxen auch die Option Hide from Product Page. Damit bleibt das Bild in der Mediengalerie des Produkts gespeichert (z. B. weiterhin als Swatch-Bild nutzbar), wird aber nicht in der normalen Bildergalerie auf der Produktdetailseite angezeigt.
Store-View-spezifische Bilder
Über den Store-View-Umschalter oben links im Produktformular lässt sich der Tab Images and Videos auch pro Store View bearbeiten. So können Sie z. B. für die englischsprachige Store View ein abweichendes Hauptbild (etwa mit englischsprachiger Verpackungsbeschriftung) hinterlegen, ohne das Standardbild für alle anderen Store Views zu verändern.
Lagerbestand und Verfügbarkeit
Bestand pflegen, Verfügbarkeit steuern und die Grundlagen von Multi Source Inventory (MSI) verstehen.
Die Bestandsverwaltung finden Sie im Produktformular unter Quantity im oberen Bereich sowie im Detail unter Advanced Inventory (Link direkt neben dem Qty-Feld).
Die wichtigsten Werte im Hauptformular
- Qty: die aktuell verfügbare Stückzahl.
- Stock Status: "In Stock" oder "Out of Stock" – kann den Bestand übersteuern, z. B. um ein Produkt trotz Restmenge vorübergehend zu sperren.
Advanced Inventory im Detail
- Minimum/Maximum Qty Allowed in Shopping Cart: Mindest- bzw. Höchstbestellmenge pro Bestellung.
- Qty Uses Decimals: aktivieren, wenn in Teilmengen verkauft wird (z. B. Meterware, Gewicht).
- Backorders: ob Kunden auch bei Bestand 0 noch bestellen können ("No Backorders", "Allow Qty Below 0" mit oder ohne Kundenbenachrichtigung).
- Notify for Quantity Below: ab welchem Bestand das Produkt im "Low Stock"-Bericht (siehe Kapitel "Produktberichte") und auf dem Dashboard erscheint.
- Enable Qty Increments: zwingt Kunden dazu, nur in festen Schritten zu bestellen (z. B. immer im Sechserpack).
Multi Source Inventory (MSI)
Seit Magento 2.3 gibt es Multi Source Inventory, verwaltet unter Stores > Inventory:
- Sources repräsentieren physische Lagerorte (z. B. Hauptlager, Retourenlager, Ladengeschäft) mit eigener Adresse – relevant für Versandkostenberechnung und Lieferzeit-Anzeige.
- Stocks bündeln eine oder mehrere Sources zu einer logischen Einheit und werden wiederum bestimmten Websites zugeordnet – ein Produkt "gehört" nie direkt zu einer Source, sondern sein Bestand wird pro Source gepflegt und pro Stock aufsummiert.
Der im Frontend angezeigte Gesamtbestand eines Produkts ist die Summe über alle Sources, die zum zugeordneten Stock der aktuellen Website gehören. Für einen einzelnen Shop mit nur einem Lager reicht die von Magento mitgelieferte Standard-Quelle "Default Source" völlig aus, ohne dass Sie sich mit MSI im Detail beschäftigen müssen.
Manage Stock und Out-of-Stock-Schwellenwert
In den Advanced Inventory-Einstellungen bestimmt Manage Stock, ob Magento den Bestand für dieses Produkt überhaupt verfolgt: bei "No" gilt das Produkt unabhängig von der Qty immer als bestellbar – praktisch z. B. bei Dienstleistungen oder Produkten ohne echte Mengenbegrenzung. Das Feld Qty for Item's Status to Become Out of Stock legt fest, ab welcher (auch negativen) Menge ein Produkt automatisch als "Out of Stock" gilt, unabhängig vom manuell gesetzten Stock Status. Globale Vorgabewerte für diese Felder pflegen Sie unter Stores > Configuration > Catalog > Inventory > Product Stock Options.
Sources im Detail anlegen
Unter Stores > Inventory > Sources > Add New Source legen Sie eine neue Quelle an mit Source Name, einem internen Source Code, dem Schalter Enable Source sowie vollständigen Adressdaten (Country, State/Province, City, Postcode, Street). Werden Latitude und Longitude gepflegt, kann der distanzbasierte Source-Selection-Algorithmus die nächstgelegene Quelle zur Lieferadresse bevorzugt bedienen.
Stocks: Sales Channels und Quellen-Priorität
Unter Stores > Inventory > Stocks > Add New Stock vergeben Sie zunächst einen Stock Name, weisen im Tab Sales Channels die zugehörige(n) Website(s) zu und ordnen im Tab Sources eine oder mehrere Sources mit jeweils eigener Priority zu – bei Priority 1 wird zuerst aus dieser Quelle bedient, erst bei deren Erschöpfung greift die nächste. Welcher Algorithmus dabei zur Anwendung kommt (z. B. reine Prioritätsreihenfolge oder Distanz), stellen Sie unter Stores > Configuration > Catalog > Inventory > Source Selection Algorithms ein.
Produktimport und -export
Wie Sie viele Produkte auf einmal per CSV importieren oder exportieren, statt jedes einzeln anzulegen.
Für größere Produktmengen ist das manuelle Anlegen unpraktisch – Magento bringt dafür ein CSV-basiertes Import/Export-Werkzeug unter System > Import bzw. System > Export mit.
Export als Startpunkt
Am einfachsten beginnen Sie mit einem Export: System > Export, Entity Type "Products" wählen, optional per Entity Attributes-Filter (z. B. nur eine bestimmte Kategorie oder ein Attributset) eingrenzen, dann Continue klicken. Die heruntergeladene CSV-Datei zeigt Ihnen exakt die Spaltenstruktur, die Magento erwartet – ideal als Vorlage für einen eigenen Import, statt die Struktur auswendig nachzubauen.
Import durchführen
- Unter System > Import Entity Type "Products" wählen.
- Import Behavior festlegen: "Add/Update" (Standard – neue Zeilen anlegen, bestehende per SKU aktualisieren), "Replace" (bestehende Produkte komplett ersetzen) oder "Delete" (Produkte anhand SKU löschen).
- Die vorbereitete CSV-Datei hochladen; bei Bildern zusätzlich den Ordnerpfad unter Images File Directory angeben.
- Check Data klicken – Magento prüft die Datei zeilenweise und zeigt Fehler/Warnungen an, BEVOR irgendetwas gespeichert wird. Fehler (rot) verhindern den Import komplett, Warnungen (gelb) meist nicht.
- Sind keine Fehler vorhanden, erscheint der Button Import – erst dieser Klick schreibt die Daten tatsächlich in die Datenbank.
Typische Stolperfallen
- SKU als Schlüssel: Der Import erkennt bestehende Produkte ausschließlich über die SKU-Spalte – ein Tippfehler erzeugt versehentlich ein Dublikat statt eines Updates.
- Zeichenkodierung: Die CSV-Datei muss als UTF-8 gespeichert sein, sonst werden Umlaute und Sonderzeichen beim Import verstümmelt.
- Mehrfachwerte: Felder wie Kategorien oder Mehrfachauswahl-Attribute trennen mehrere Werte innerhalb einer Zelle üblicherweise mit einem Komma, das Feld selbst braucht dann Anführungszeichen.
Wichtig: Ein Import kann nicht per Klick rückgängig gemacht werden – bei größeren Imports unbedingt vorher ein Datenbank-Backup erstellen oder den Import zuerst mit wenigen Testzeilen durchspielen, bevor Sie die volle Datei hochladen.
Pflicht- und Sonderspalten im CSV
Neben der SKU-Spalte erwartet Magento bestimmte weitere Spalten mit fester Bedeutung: attribute_set_code (welches Attributset gilt), product_type (simple, configurable, bundle usw.), categories (Kategoriepfade, Ebenen mit "/" getrennt, mehrere Pfade mit Komma getrennt) sowie product_websites (Zuordnung zu einer oder mehreren Websites). Für Massenimport von Bildern trägt die Spalte additional_images die Dateinamen ein, die im unter Images File Directory angegebenen Ordner liegen müssen.
Store-View-spezifische Übersetzungen per CSV
Übersetzte Feldwerte (Name, Beschreibung, URL Key usw.) lassen sich direkt mitimportieren: Für jede SKU können Sie zusätzliche Zeilen mit derselben SKU, aber gefüllter Spalte store_view_code einfügen – die Werte in dieser Zeile überschreiben dann nur die entsprechende Store View, während eine Zeile mit leerem store_view_code die Default-/Website-Werte setzt.
Import-Historie prüfen
Unter System > Import/Export > Import History finden Sie ein Protokoll aller durchgeführten Importe mit Zeitstempel, ausführendem Benutzer und Ergebnis. Über den Link in der Spalte Execution Time/Status lässt sich das vollständige Import-Log herunterladen, das jede Zeile mit ihrem konkreten Fehler auflistet – deutlich schneller als das erneute Hochladen zur Fehlersuche.